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Mittwoch, 31. August 2005

Tr√ľgerische Idylle

31. August bis 2. Oktober 2005: Aquarelle der Hamburgischen Sezession

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[Aus der Website www.portal-kunstgeschichte.de]

Die Hamburgische Sezession war eine Vereinigung von K√ľnstlern, die sich 1919 mit dem Ziel zusammenschlossen, nach den Ereignissen des 1. Weltkrieges in Hamburg einen neuen k√ľnstlerischen Boden zu schaffen und zeitgen√∂ssische Kunst unabh√§ngig von etablierten Kunstrichtungen ausstellen zu k√∂nnen. Der k√ľnstlerische Austausch untereinander sollte dabei im Mittelpunkt stehen, und die Gruppe, die sich als Elite f√ľr moderne Kunst begriff, machte die Qualit√§t und nicht den Stil der Arbeiten zum Auswahlkriterium f√ľr ihre gemeinsamen Ausstellungen.

K√ľnstlerische Vorbilder waren die franz√∂sische Avantgarde mit C√©zanne und Matisse sowie die expressionistische Kunst der Br√ľcke mit Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff. Aber auch Einfl√ľsse nordischen Mystizismus durch Emil Nolde oder Edvard Munch hinterlie√üen in den Arbeiten der Sezessionisten ihre Spuren. Ein gemeinsamer Sezessionsstil setzte sich erst zu Beginn der drei√üiger Jahre durch. √úber ein Jahrzehnt lang, bestimmte sie ma√ügeblich das Kulturleben der Hansestadt, seit 1927 veranstalteten sie ihre eigenen K√ľnstlerfeste.

Kurt Löwengard, In Blankenese

Kurt Löwengard
In Blankenese, 1927
Aquarell auf Papier, 34,8 x 27 cm

Der reiche Bestand von √ľber 200 Arbeiten auf Papier in der Sammlung Hamburger Sparkasse, als Dauerleihgabe im Museum f√ľr Kunst und Gewerbe bewahrt, war Anlass, einen √úberblick √ľber eine technische Gattung zu bieten und sich in der diesj√§hrigen Schau dem Aquarell zu widmen. Die Pr√§sentation konnte um sehr interessante und charakteristische Vergleichsst√ľcke durch Leihgaben aus privatem und √∂ffentlichem Besitz bereichert werden - und so erm√∂glicht die Ausstellung einen √úberblick √ľber das vielseitige Schaffen und die gro√üe Themenvielfalt, die um Akt, Tanz, Natur, Tier, Landschaft und See der 1919 zur Hamburgischen Sezession zusammengeschlossenen K√ľnstler inmitten der zwanziger und drei√üiger Jahre kreist. Die Exponate zeigen ganz unterschiedliche Handschriften und Motive unter den K√ľnstlern der Hamburgischen Sezession. Qualit√§t war Voraussetzung f√ľr ihren Zusammenschluss gewesen und nicht ein einheitlicher Stil.

√úber 70 Exponate zeugen von den unmittelbaren Begegnungen der Sezessionisten mit der franz√∂sischen Moderne sowie expressionistischen Vorbildern aus Deutschland und dem mystischen Norden. Vorbilder waren Ernst Ludwig Kirchner, Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Emil Nolde oder Edvard Munch ‚Äď K√ľnstler, die hier in Hamburg durch den damaligen Direktoren des Museum f√ľr Kunst und Gewerbe Max Sauerlandt (1919‚Äď1933) (und Namensgeber des Volontariats) sowie Hamburger Kunstsammler in gro√üem Ma√üe gef√∂rdert wurden.

Emil Maetzel, Mutter mit ihren Söhnen

Emil Maetzel
Mutter mit ihren Söhnen, 1921
Aquarell, Bleistift auf Papier, 33,3 x 23,7 cm

Karl Ballmer, Eduard Bargheer, Willem Grimm, Erich Hartmann, Kurt L√∂wengard, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen, Anita R√©e sind einige der Sezessionsk√ľnstler, die seit Beginn der Zwanziger Jahre die Technik des Aquarells w√§hlten, um der spontanen Stimmung einer Landschaft an der Elbe in Blankenese oder auf Reisen in Italien Ausdruck zu verleihen. Aber auch ein neu empfundenes Menschenbild wurde im Aquarell festgehalten und markiert den Aufbruch in die Moderne. Dabei sind ganz unterschiedliche Stilrichtungen und Handschriften zwischen vereinfachenden abstrahierten Formen sowie expressiver Dynamik und Farbigkeit bei den einzelnen K√ľnstlern beobachtbar. Nach der Aufl√∂sung der Sezession 1933 durch die Nazis t√§uschen scheinbar idyllische See- und Landschaftsbilder √ľber das drohende Unheil der Kriegsjahre tr√ľgerisch hinweg.

Neben der motivischen Vielfalt, vermag die Ausstellung mit Werken der verschiedenen Protagonisten aus der Hamburger Sezession die ganze Spannbreite aufzuzeigen, die der Umgang mit Aquarellfarbe, der Malerei mit lasierenden Wasserfarben, m√∂glich macht. Zeichnerisches mit Pinsel oder Feder, Aquarelle mit Federvorzeichnungen in Tusche oder Bleistift sind genauso vertreten wie sehr malerisch, lavierend behandelte Papiere, w√§ssriger Nass-in-Nass Technik, Mischtechniken oder Arbeiten in sehr trockenem Farbauftrag. Manche Aquarelle in der Ausstellung unterstreichen doch auch seinen Studiencharakter, sie sind entweder im Zusammenhang gr√∂√üerer Werkgruppen entstanden oder sie waren Vorstudien f√ľr sp√§ter ausgef√ľhrte Werke in √Ėl, wie das Paar ‚der Dom’ in Aquarell und √Ėl von Gretchen Wohlwill aus dem Jahr 1930.

Anita Rée, Gärten in Positano

Anita Rée
G√§rten in Positano, 1922‚Äď25
Aquarell √ľber Blei auf Papier, 28,5 x 27,5 cm

In den expressionistischen Akt- und Tierdarstellungen zeigen sich die unter den Erfahrungen des ersten Weltkrieges gewandelten, inneren Dispositionen, ein ganz neu empfundenes Menschenbild, erfolgte die Gr√ľndung der Sezession doch im gleichen Jahr, in dem auch neue Kunstst√§tten wie das Bauhaus in Weimar oder die Stuttgarter Akademie hervortraten. Das gesellschaftliche Leben bekam auch in Hamburg neuen Schwung und so sind die Werke der Sezessionisten aus den zwanziger Jahren als Ausschnitte aus einer neuen Wirklichkeit und Zeichen einer neuen Zukunft zu bewerten. Sie waren jedoch eine Utopie gewesen und die Illusion einer neuen Zukunft wurde durch die Macht√ľbernahme Hitlers j√§h unterbrochen. Die Hamburgische Sezession wurde kurz nach der Er√∂ffnung ihrer letzten Ausstellung im M√§rz 1933 von den Nazis zur Selbstaufl√∂sung gezwungen, um den Ausschluss j√ľdischer Mitglieder zu verhindern, die Ausstellung am 30. M√§rz 1933 durch den Polizeipr√§sidenten wegen ihrer viel zu modernen Kunst und der Teilnahme j√ľdischer K√ľnstler geschlossen. Im Vorwort des Ausstellungskataloges hatten die Sezessionisten angek√ľndigt, noch im gleichen Jahr getrennt Grafik und dem Aquarell zu pr√§sentieren ‚Äď so bedeutsam schien ihnen die Gattung zu sein. Die Sezessionisten hielten Aquarell und Grafik nicht nur „ebenso geeignet zur Gestaltung eines k√ľnstlerischen Erlebnisses, wie jedes andere Gestaltungsmittel der bildenden Kunst“ auch, sondern hoben die Bedeutung des scheinbar intuitiv gestalteten, spontan unvollendeten Werkes auf Papier gegen√ľber dem ernsthaft ausgearbeiteten √Ėlbild hervor. Annette Baumann (Ausstellungsleiterin), August 2005

Zusatzinformationen:

Museum f√ľr Kunst und Gewerbe

Steintorplatz

20099 Hamburg

Tel. 0 40 / 42 81 34-27 32

√Ėffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10‚Äď18 Uhr, Donnerstag 10‚Äď21 Uhr

Museumseintritt

8 €, erm√§√üigt 5 €, dienstags ab 16 Uhr und donnerstags ab 17 Uhr 5 €

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