Klicken Sie, um die Bereiche zu durchlaufen!

(:template each:)

Die Sendung des ProphetenDie gekrachte Schublade – 31. August 2025

Die Glaubensspaltung in prophetischer Sicht

Die blasphemische Vorstellung, die Offenbarung sei eine Botschaft Gottes an die Menschen, kennzeichnet einen Zustand äußerster Gefahr. Eine Botschaft ist eine Summe von Vorstellungen. Gott hätte also aus dem Umfange seiner Vorstellungen zum Heil der Menschen eine bestimmte Summe von Vorstellungen mitgeteilt. Als ob Gott ein philosophischer Lehrer wäre!

Das Ringen der Kirche ist geradezu und ist nichts anderes als der Versuch, dem Dilemma der blasphemischen Vorstellung auszuweichen, Gottes Offenbarung sei eine Lehrbotschaft an die Menschen: Zum Ärgernis der Juden, zu denen Gott in der Boschaft des Gebotes spricht, und zum Ärgernis der Griechen, denen Gott ein beschaulicher Philosophengott ist, ereignet sich den Christen die Begegnung mit Gott nicht in der innerseelischen Vorstellungswelt, sondern: draußen im grellen Tag der Geschichte hängt Gott – ein Mensch! – am Kreuz! Von hier geht eine das Ursein des Menschen betreffende Ursache aus. Nach den Wirkungen dieser Ursache wird zu fragen sein. Es gehört viel Optimismus dazu, in der Kirche die Wirkung jener Ursache zu sehen. Diese Kirche hat zunächst nicht verhindern können, dass aus dem ursächlich wirkenden Ereignis eine Lehre über das Ereignis wurde.

Es könnte wohltuend sein, wenn man mit nüchternem Ernst die ganze Schwere des Verdachtes erleben wollte: die Glaubensspaltung sei eine Aufspaltung im Glauben an die Lehre der Kirche, das Konfessionenproblem ein Streit der Rechthaberei über Lehre. Es sind die modernen „Propheten und Ketzer“, die sich diesem schweren Verdachte nicht entziehen wollen. Es besteht aber Grund, die Klammer um „Propheten und Ketzer“ wegzunehmen und dem modernen Propheten seine uneingeschränkt positive Aufgabe zuzuerkennen.

Der Prophet erkennt den äußersten Gefahrenzustand, der mit der Ansicht gegeben ist, der kirchliche Besitz der Offenbarung betreffe eine von Gott mitgeteilte Lehrbotschaft. Der Prophet muss aus einem mehr oder weniger deutlichen Gesicht der Zukunft handeln. Er sieht aus der realen Zukunft die Wirkung in die Gegenwart hereinkraften, die von der Ursache auf Golgatha ausgeht. Mit der abgründigen Schwierigkeit, dass diese Wirkung notwendig, aber frei eintreten wird, vermag er nicht fertig zu werden. Dass er die Wirkung glaubt, macht seinen Glauben zur realen Kraft, was etwas anderes ist als die Inbesitznahme fertiger Vorstellung.

Die Sendung des Propheten in der Gegenwart ist sein unerbittlicher Widerspruch gegen die Arroganz des Denkers, als des Verwalters des Vorstellungsbesitzes. Der Denker will mit seiner Unruhe zu einem Abschluss kommen. Dem drängenden, beunruhigenden Welträtsel nimmt er die Unruhe. Die Lösung des Rätsels fällt ihm in den – Gedanken. Die Arroganz, das Welträtsel in Gedanken lösen zu wollen, wähnt sich demütig: bestehe doch das Denken in der selbstlosen Verarbeitung der geoffenbarten Gedanken Gottes. Gegen den Mythos der Denkerei, gegen die Arroganz, am Welträtsel durch Gedanken zur Ruhe zu kommen, erhebt sich der Protest und die Warnung des Propheten. Er durchschaut die krummen Wege des frommen Gedanken. Sage ich: ich bin unfähig, das Schaffen Gottes nachdenkend zu begreifen, so ist auch dies ein denkerischer Versuch, im Gedanken zur Ruhe zu kommen.


Erläuterung

Maschinenschriftlicher Text (der vermutlich noch weitergeführt werden sollte) aus einer Mappe „Notizen 1942“.

👉 Aus der „gekrachten SchubladeDie gekrachte Schublade“ bekommen Sie wechselnd verschiedene Texte von Karl Ballmer zu lesen. Bei der Auswahl gilt das Motto von Rudolf Steiner: „Es muss der Zufall in seine Rechte treten.“ Besuchen Sie diese Seite also öfter. Bei Fragen kontaktierenKontakt/Impressum Edition LGC Sie uns bitte.

Erläuterung

{=$:Titel}Die gekrachte Schublade – 31. August 2025


zum Eingang        Kontakt / Impressum         Suche