Zurück zur Eingangsseite!

Hauptmenu

Karl Ballmer

Vita

Aktuelles

Wir: Edition LGC

Unsere Bücher

Die gekrachte Schublade

Andere Verlage

Der Maler

Archiv

Links

Kontakt / Impressum

Suche 🔍

vorherige Seite Übersicht nächste Seite

(:template each:)

Geschichtliche EreignisseDie gekrachte Schublade – 13. April 2021

29. August 1945

Lieber Herr Pfarrer Stickelberger!

Liberale Orthodoxie, hölzerne Eisen – ich habe nicht vorausgesehen, dass Sie mit fliegenden Fahnen in den offenen Kampf gegen Karl Barth ziehen würden. Der Kampf ist im voraus verloren (sagt der unbeteiligte Zuschauer). Barth ist nämlich aus einem ganz besonderen Grunde Orthodoxer, den Leenhardt entfernt nicht ahnt: Barth ist orthodox, weil er – gescheit ist. In seiner Gescheitheit hat er die Sorgen Leenhardts längst zu seiner eigensten Sorge gemacht. Viel gründlicher als Leenhardt begreift er, dass es „nicht möglich ist, auf eine Philosophie zu verzichten, um die Geschichte zu begreifen“. Gerade Barth und sonst keiner ist in der Lage, die von Leenhardt erträumte „historische Methode“ auf das Ereignis Christus Jesus anzuwenden; Barth ist derjenige, der hart daran ist, zu wissen, was denn überhaupt Geschichte ist. Hören sie Barth: (KD, I, 2 S. 75) „Die ganze Weltgeschichte ist geschehen, geschieht und wird geschehen, weil die Offenbarung in Jesus Christus geschehen ist, so, wie sie eben geschehen ist…“ Das nenne ich mir Geschichtsphilosophie! Geschichte meint Geschehen, Ereignis. Das Hitler-Ereignis und andere geschichtliche Ereignisse wären insofern geschichtliche Ereignisse, als sie als das Subjekt/Objekt den – Schöpfer zeigen würden. Die Hitler-Ereignisse der Vulgär-„Geschichte“ sind eben gar keine Ereignisse (zunächst), sie „sind“ nicht einmal. Zum allerersten Male geschah Geschichte in dem Jesus-Ereignis, hier fängt Geschichte erst an, – nicht im Sinne ihres zeitlichen Beginnes, sondern im Sinne der geschichtlichen Qualität, was besagt: Hier handelt der Schöpfer seine Schöpfung.

Deswegen heißt Erkenntnis des historischen Ereignisses in Palästina: Der Schöpfer handelt wiederum, im zwanzigsten Jahrhundert, er stiftet ein persönliches „Denken“, an dem teilzunehmen mir in Gnade freisteht; dieses „Denken“ als die Handlung des Schöpfers enthält die unmittelbare Anschauung des ersten Ereignisses. Es geht kein anderer Weg zum ersten Ereignis als der Weg des Schöpfers selbst. Im „Denken“ als dem fraglichen Weltäther der Physiker, erscheint heute, im zwanzigsten Jahrhundert „Christus im Ätherleib“ und man hat Gründe zu wissen, dass hierzu Voraussetzung die „geschichtliche Persönlichkeit“ des Jesus-Christus ist. Dieses Ereignis des 20. Jahrhunderts wird man in dem Grade besser verstehen lernen, als man sehen wird, inwieferne das Hitler-Ereignis eine schlimme Karikatur eines Herren-Ereignisses ist. Wenn der Schöpfer handelt und hobelt, warum sollte es nicht Späne geben?

[…]

Herzlich grüßend

Ihr

Karl Ballmer


Erläuterung

Ballmer schreibt hier an Rudolf Stickelberger als Redakteur der Monatsschrift „Reformierte Schweiz“; er bezieht sich auf einen zuvor erschienenen Artikel von Franz Jehan Leenhardt „Für eine liberale Orthodoxie“, August 1945.

👉 Aus der „gekrachten SchubladeDie gekrachte Schublade“ bekommen Sie wechselnd verschiedene Texte von Karl Ballmer zu lesen. Bei der Auswahl gilt das Motto von Rudolf Steiner: „Es muss der Zufall in seine Rechte treten.“ Besuchen Sie diese Seite also öfter. Bei Fragen kontaktierenKontakt/Impressum Edition LGC Sie uns bitte.

Erläuterung

{=$:Titel}Die gekrachte Schublade – 13. April 2021


mit Rahmen zum Seitenanfang (shift-alt-4) ohne Rahmen – zum Drucken