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Arthur Drews, ein „Gegner“Die gekrachte Schublade – 28. Januar 2021

Es gibt bislang noch nicht einmal ernsthafte inneranthroposophische Unterhaltungen über das Wesen der Anthroposophie. Man tut hochmütig so, als wäre schon ausgemacht, was das Anthroposophische sei, statt es jeden Augenblick neu erwerben zu wollen. Hochmütig spricht man von den „Gegnern“ der Anthroposophie. – – Judas war ein Jünger Christi und auch ein „Gegner“. Jüngerschaft und Gegnerschaft schließen sich im abgrundtiefen Geistesdrama für den tieferen Blick nicht aus! Drews ist ein äußerer Gegner, jawohl; ein perfider Gegner, ohne Zweifel. Ich kenne diese Gegnerschaft so genau wie möglich. Ob ich es als Anthroposoph verantworten könne, mich mit Drews in einer Weise zu befassen, die Ihnen nicht anthroposophisch erscheint, – so etwa fragen Sie. Ich antworte: Mein Gegner ist Drews nicht. Ich bin nicht so hochmütig, die Gegnerschaften, die sich gegen Rudolf Steiner entfachten, weil dieser viel unwesentlicheren Kapazitäten als Drews die Treue hielt (als Philosoph und Exoteriker brauchte Rud. St. keine „Gegner“ von der bekannten Art zu haben, er nahm aber diese Gegnerschaften in dem Maße auf sein Konto, als er sich seinen Zuhörern und Mitarbeitern verschenkte, – opferte) – ich bin also nicht so hochmütig, die Gegnerschaften gegen Rudolf Steiner als meine Gegnerschaften zu nehmen. Ich nehme mir die Freiheit, meine Gegner selbst zu finden. Ich habe Gründe, weshalb der Philosoph Drews mein „Gegner“ nicht ist. Aus meinen Besorgnissen um das Schicksal und um die Entfaltung der anthroposophischen Bewegung sehe ich sehr viel abhängen von der Auseinandersetzung der Anthroposophie mit einer der bedeutsamsten Philosophien des vorigen Jahrhunderts: mit derjenigen Eduard von Hartmanns. Ich kann diese Gründe hier nicht weiter ausführen, in meinen Aufsätzen habe ich sie verschiedentlich wenigstens angedeutet. Nun ist Drews als Philosoph der einzige lebende Repräsentant der Weltanschauung Ed. von Hartmanns. So gut wie Eduard von Hartmann die „Philosophie der Freiheit“ ablehnen musste (vergl. darüber Dr. Steiner in der Zeitschrift „Das Reich“, 2. Jahr (1917) Buch 2 „Die Geisteswissenschaft als Anthroposophie und die zeitgenössische Erkenntnistheorie“), so sicher muss dies auch Drews tun. Wieviel aber Dr. Steiner an der Auseinandersetzung mit v. Hartmann gelegen war, erfahren Sie aus dem genannten Aufsatze. Hartmann ist also Steiners Gegner. Aber philosophische Gegnerschaft ist eine Sache, bei der es um Ideen geht. Ich habe als Philosoph die Überzeugung, dass an Ideen-Kämpfe – um Anthroposophie – heute viel gelegen ist. Was verhindert nun aber, dass ein Drews auf dem Felde des philosophischen Gedankens ein Gegner Steiners ist, wie es v. Hartmann war? Oder lassen wir diese Frage und fragen wir: ist es nicht wünschenswert, dass die konfuse Gegnerschaft Drews sich auf das philosophische Ideengebiet erhebt. Vielleicht wäre dies für Anthroposophen der Anlass, die „Philosophie der Freiheit“ etwas weniger dilettantisch zu vertreten als es oft genug geschieht. Mir scheint jedenfalls diese Gegnerschaft eines Philosophen vom Range Drews wünschenswert und willkommen, ich weiß mich ihr gewachsen. Wenn Stein gegen Drews philosophischen Unsinn vorgetragen hat – dazu im Namen Dr. Steiners (der exakte Erweis kann erbracht werden), – wozu verpflichtet mich das? Zu gar nichts anderem als dazu, der Wahrheit und Klarheit zu dienen, so gut ich es kann. Wozu verpflichtet es mich „als Anthroposoph“? Zu ebendemselben! Wie ich aber meine Auslassungen über die Philosophie Steins, die möglicherweise einem „Gegner“ unter die Augen kommen, „als Anthroposoph“ verantworten kann? Da möchte ich sagen: Mein Name ist so und so; meine Verantwortungen trage ich als das „Ich“, das mit dem Namen so und so äußerlich benannt ist. Meine Verantwortungen hängen nicht von meinem Anthroposophentum ab – aber in dem Grade, als ich wirklich „Ich“ bin, handle ich aus dem Geiste Rudolf Steiners.

Sie übergehen eine Hauptsache. Haben Sie nicht bemerkt, dass mein Brief an Herrn Prof. Gurlitt und der Brief des Herrn Drews an Prof. Gurlitt (von dem ich annehmen darf, dass Sie ihn kennen), gleichzeitig bei Herrn Prof. Gurlitt eintrafen? Haben Sie sich schon Gedanken gemacht über das Karma-Mysterium der Gleichzeitigkeit? Denken Sie etwa, hier ginge es um Zufälle? Nein, hier geht es um vollbewusste, von weither angelegte Gesetzeshandlungen des „Herrn des Karma“. Es geschehen Dinge hinter den Vorhängen der Außenwelt, für die sich der Anthroposoph eigentlich interessieren könnte – wenn er nicht schläft. So idyllisch wie im heutigen Stuttgart wird es in Zukunft im Kampfe um das Verständnis des „Ereignisses Rudolf Steiner“ möglicherweise nicht zugehen.

Es hätte in meiner Willkür gelegen, zu jeder Stunde Beziehungen anzuknüpfen mit Prof. Drews. So etwas tut man als Anthroposoph aber nur, wenn man im Verständnis des Karmas ein Dilettant ist. Man begeht aber so gefährliche Pfade, bei denen man den Kopf riskiert, nur in Übereinstimmung mit dem Gesetz des „Herrn des Karma“.

Meine Gegner sind die, die sich in der Illusion wiegen, dass Rudolf Steiner bloß ein Dagewesener, nicht auch ein Kommender sei.

Niemals hat sich Rudolf Steiner gefallen in der bequemen Abgrenzung eines bestimmten Zustandes der anthroposophischen Arbeit, um ein für alle Male die außeranthroposophische Welt als „gegnerisch“ zu betrachten. Er hatte sogar die Freiheit, als Drews aus seinem Vortrage demonstrativ weglief, ihn am andern Tage aufzusuchen. Nennen Sie mir ein ähnliches Beispiel von Seiten seiner Nachfolger! Ihr Herr Vater versteht nicht viel von Anthroposophie – nach Ihrer Behauptung –, aber ich vermute, dass diese Freiheitstat Dr. Steiners, der Drews aufsucht, ihn interessieren könnte.

Erläuterung

Aus einem Brief an Winfried Gurlitt, den Sohn von Ludwig Gurlitt. Dieser hatte im Alter Interesse für Anthroposophie gefasst und auf Ballmers Bitte hin einen Aufsatz zu dessen Publikation „Ernst Haeckel und Rudolf Steiner“ beigesteuert. Der Philosoph Arthur Drews war ein persönlicher Freund von Ludwig Gurlitt.

👉 Aus der „gekrachten SchubladeDie gekrachte Schublade“ bekommen Sie wechselnd verschiedene Texte von Karl Ballmer zu lesen. Bei der Auswahl gilt das Motto von Rudolf Steiner: „Es muss der Zufall in seine Rechte treten.“ Besuchen Sie diese Seite also öfter. Bei Fragen kontaktierenKontakt/Impressum Edition LGC Sie uns bitte.

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{=$:Titel}Die gekrachte Schublade – 28. Januar 2021


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