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Die Tierverwandtschaft des MenschenDie gekrachte Schublade – 28. September 2020

Katze, Holz, schwarzpoliert, 1,82 m hoch Tier-Plastik als künstlerisches Schaffensgebiet fordert heute entschieden eine Beleuchtung durch anthroposophische Einsichten. Rudolf Steiner legte den Grund, um das Verhältnis des Menschen zum Tier als ein geistiges zu pflegen. Man muss weit in den Orient zurückgehen, um auf den Menschen-Typ zu treffen, der mit dem Tiere als mit einem verwandten seelischen Genossen Umgang pflegt. Solcher Umgang umschloss in seiner Schau reichere Inhalte als jenes spätere auf rein ethisches Verhalten gegründete Verhältnis, das der Buddhismus zur Welt der Tiere ausbildet und das in dem heiligen Franziskus wiederklingt. Der okzidentale Darwinismus konnte dem modernen Menschen seine Tierverwandtschaft im Grunde noch nicht wieder erobern. Der naturwissenschaftliche Positivismus verstand gar nicht die physisch-sinnliche Tierform, die er zum ausschließlichen Objekt der Forschung machte, wenn er für deren seelisch-geistige Korrelationen blind war. Seine auf derart missverstandene Sinnesdaten der Morphologie, Anatomie usw. gestützten wissenschaftlichen Schlussfolgerungen müssen notwendig falsch sein. Wir sprechen von dem Göttlich-Geistigen, das sich durch die Gestalten der Natur offenbart; und wir meinen damit – auf die Tier-Gestalten gewendet –, dass der Mensch aus den seelischen Tiergestalten und deren sinnlicher Offenbarung sein eigenes umfassendes Selbst in seinen astralischen dem Göttlich-Geistigen, das sich durch die Gestalten der Natur offenbart; und wir meinen damit – auf die Tier-Gestalten gewendet –, dass der Mensch aus den seelischen Tiergestalten und deren sinnlicher Offenbarung sein eigenes umfassendes Selbst in seinen astralischen Differenziationen sich entgegentreten sieht. Wir vermenschlichen, was wir umspannen wollen. Der Vorwurf des Anthropomorphismus ist nicht zu fürchten. Es kommt auf den Gehalt des Menschen-Bildes an, in dem sich die Welt besehen will. Die stark vermenschlichende ägyptische Tierplastik nimmt dem Tiere nichts von seinem eigensten Wesen, am Menschlichen erweist sich erst das andere Wesen in Reinheit. Noch anthropomorphischer sind urzeitliche Tierdarstellungen, deren ungeheurer Realismus den modernen Menschen fasziniert. Dieser Realismus hat zur Voraussetzung die Fähigkeit des frühen Menschen, den Aufbau und Bildeprozess der Gestalten seiner Tiergenossen innerlich mitzuleben. Der Anthropomorphismus des modernen Menschen freilich wird aus seinen künstlerischen Tierdarstellungen vermutlich lediglich den zivilisierten Philister wieder erkennen. Es wird nicht von heute auf morgen eintreten, dass das anthroposophische Wissen um die gemeinsame seelisch-geistige Heimat von Mensch und Tier zum elementaren Instinkt wird, der schon bei der unmittelbaren äußeren Anschauung im Tiere ein hohes geistiges Wesen empfindet, dessen Existenz die Folge tragischer, opfervoller Vereinseitigung ist. Der an Anthroposophie erwachte Künstler kann hier zum Pionier echter künftiger Instinkte werden. Es ist grundechte unmittelbare Anschauung, wenn Haizmann etwa auf der Straße in Lachen ausbrechen kann über die Banalität durchschnittlicher Menschen-Antlitze im Vergleiche mit der Göttlichkeit eines Pferdekopfes – sei es auch ein Bierwagengaul. In solchen Empfindungen korrigiert sich das darwinistische 19. Jahrhundert selbst. Wir sind dem Darwinismus und Haeckelismus, dessen Bekämpfung der Philister sich heute ebenso angelegen sein lässt, wie er sie vor kurzem als Befreier begrüßte, gar nicht gram. Die Tierverwandtschaft des Menschen braucht kein Makel an seiner Menschenwürde zu sein. Dass sie es sei, das haben ja jene Vertreter der geistigen Reaktion ausgeheckt, die aus der Ohnmacht ihrer religiösen Dekadenz die Ergebnisse der äußeren Naturforschung bekämpfen, anstatt die Aufgabe einer geistigen Ergänzung und Vertiefung der naturwissenschaftlichen Empirie zu begründen.

Erläuterung

Aus Ballmers Aufsatz „Richard Haizmanns Tiergestalten“, in: Gäa Sophia. Band V: Die Tierwelt. Jahrbuch der Naturwissenschaftlichen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum Dornach, 1930. Ballmer war mit Haizmann eng befreundet.

👉 Aus der „gekrachten SchubladeDie gekrachte Schublade“ bekommen Sie wechselnd verschiedene Texte von Karl Ballmer zu lesen. Bei der Auswahl gilt das Motto von Rudolf Steiner: „Es muss der Zufall in seine Rechte treten.“ Besuchen Sie diese Seite also öfter. Bei Fragen kontaktierenKontakt/Impressum Edition LGC Sie uns bitte.

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{=$:Titel}Die gekrachte Schublade – 28. September 2020


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