Kurzbiographie von Karl Ballmer

Ballmer um 1930Ballmer um 1955
(Ausführlichere Schilderungen zu Ballmers Lebenslauf finden Sie im Bildband von 1990).

Eine kurze biographische Skizze hat auch J. Grebe verfasst.

1891 Geboren am 23. Februar in Aarau, Hauptstadt des Kantons Aargau, Schweiz. Der Vater ist Bankangestellter, die Mutter betreibt nach dem Tod des Vaters (1902) eine Pension.
1907 Nach glänzender Prüfung Aufnahme in die Kantonsschule Aarau. Ballmers zeichnerische Fähigkeiten zeigen sich u.a. in einer Karikatur des Gesangslehrers: zur Strafe wird er vom Rektor geohrfeigt und diktiert am selben Tag der Mutter die Austrittserklärung. – Zeichnerlehre bei einem Architekten, unbeendet wegen dessen Konkurs.
1908 Malschule am Gewerbemuseum Aarau.
1909 Kunstgewerbeschule Basel.
1910 Kunstakademie München.
1912 Graphiker in Bern. 55 Tage Rekrutenschule.
1913 Graphiker in Zürich.
1914 Im Sommer Aufenthalt bei Cuno Amiet auf der Oschwand. Drei Monate „Aktivdienst“ an der Grenze.
1915 Pressebüro des eidgenössischen Armeestabes, Bern (Aufgabe: Lektüre und Auszüge aus ausländischen Presseberichten).
1916 Verfasser von Zeitungsartikeln für Presseagenturen, Redaktor bei der Neuen Helvetischen Gesellschaft: Ich habe bestimmte Hoffnung, im Journalismus nun langsam Fuß zu fassen. Befreiung vom Militärdienst.
1917 In Zürich lernt Ballmer seine Lebensgefährtin (später Ehefrau) Katharina van Cleef kennen. Erste Begegnung mit der „Anthroposophie“: Es war die geistige Persönlichkeit Dr. Rudolf Steiners, auf die ich da stieß. Meine Eindrücke waren etwa so, dass ich mir sagen mußte: abgesehen davon, ob ich das, was ich da als die Welt der Anthroposophie kennen lerne, unmittelbar verstehe oder nicht verstehe, das ist jedenfalls eminent künstlerisch-wirklich. (…) Ich dachte, das Ganze wäre eine Sekte oder dergl., und für so etwas hatte ich nichts übrig. Mein Interesse für Dr. Steiner lehrte mich in Zürich bald einsehen, dass „Anthroposophen“ gegenüber Dr. Steiner selber doch nur in zweiter oder dritter Linie interessieren könnten.
1918 Im Herbst 1918 lernte ich Dr. Steiner persönlich kennen, ich hatte mich ihm vorgestellt mit einer Abhandlung über die Darstellung des Menschen in der Malerei – ich hatte ja die ganzen Jahre nebenher immer auch gemalt.
1919 Mitarbeit am Bau des ersten Goetheanum in Dornach.
1920 Auf Einladung Rudolf Steiners hält Ballmer drei Vorträge über Künstlerisches Wollen und Anthroposophie im Rahmen des ersten „Anthroposophischen Hochschulkurses“.
1921 Heidenheim, München, Stuttgart, Berlin, schließlich August 1922 Niederlassung in Hamburg: 10jähriges intensivstes Studium des Autodidakten an deutschen Bibliotheken. Die Inflation ermöglichte den Kauf von Büchern. – Wollte man die Herrschaften von einer hohen Philosophie und Wissenschaft schlagen, so musste man sich deren eigene Waffen holen. – Und nun versuche ich den Schnabel aufzutun. (1928). Aus allem, was ich in Dornach erlebte, musste sich mir das allerintensivste Bedürfnis ergeben, durch die Erwerbung eines umfassenden Fundus an Wissen mir die zureichenden Grundlagen zu verschaffen für eine absolut selbständige Beurteilung der von Dr. Steiner aufgerollten Erkenntnis- und Wissenschaftsprobleme. (1927)
1923 …das äußere Budget nur auf ziemlich kribbelige Weise zu balancieren… Zur Aufbesserung des Einkommens Handel mit Japan-Vasen.
1924 Ich bin noch immer in dem Stadium, wo ich schriftlich Festgelegtes schon nach zwei oder drei Monaten als verfrüht zu bedauern hätte… Im übrigen bilden Handelsgeschäfte nicht den ausschließlichen Inhalt meiner Beschäftigung.
1925 Rudolf Steiner stirbt in Dornach. Ballmer hilft beim Aufbau anthroposophischer Initiativen in Hamburg (Zweigbibliothek, Goethe-Schule).
1927 Ich gebe im Selbstverlag einen „Ahrimans-Spiegel“ heraus – Anthroposophie in der Meinung und Beurteilung des öffentlichen literarischen Lebens, mit Fußnoten, auf die es insbesondere ankommt. Ballmer möchte damit eine öffentliche Diskussion über Anthroposophie fördern, das Projekt gelingt jedoch nicht. – Ballmer schickt drei Bilder zur Osterausstellung in Dornach und bietet eine Lithographie „Rudolf Steiner“ an. In Paranthese bemerke ich, dass meine Sachen ganz und gar nicht „anthroposophisch“ sind. Ich werde vermutlich überall mehr Gegenliebe finden für meine Bilder als bei Durchschnittsanthroposophen. Das ist aber nicht schlimm. Die Anthroposophen entgehen ja nicht immer ganz leicht der Gefahr, fertige Regeln haben zu wollen für Dinge, die nur ganz aus einer Individualität verstanden werden können. Ein Künstler ist schließlich eine Welt für sich, die nur ganz aus sich selber heraus erbaut werden kann. Ballmers Einschätzung bezüglich der „Gegenliebe“ bei Anthroposophen erwies sich bis heute als richtig.
1928 Neues Projekt im Selbstverlag: Die Rudolf Steiner-Blätter (vgl. unsere Bände Das Ereignis Rudolf Steiner, Anthroposophie und Christengemeinschaft sowie Die Überwindung des Theismus). Die „Blätter“ möchten nicht eigentlich als „Zeitschrift“ verstanden sein; deren haben wir ja gerade genug. Beabsichtigt ist eine freie Folge von Publikationen unter einem einheitlichen Titel mit dem ausgesprochenen Zwecke, das „Ereignis Rudolf Steiner“ in die wissenschaftliche, vorab in die philosophische Diskussion der Gegenwart einzuführen. (…) Die Aufnahme der Blätter in solchen Kreisen, die die bekannten „akademischen“ Hemmungen haben gegenüber Anthroposophie, ist bisher eine recht günstige. Nach kaum 2 Jahren (5 Nummern) muss Ballmer jedoch auch dies Projekt aufgeben. Ich selbst habe wohl das „freie Geistesleben“ nach seiner Lebendigkeit überschätzt, wenn ich hoffte, ohne Anhang und ohne Cliquenwirtschaft etwas schaffen zu können. (1931) Auch in der anthroposophischen Bewegung findet Ballmer kaum Resonanz: Ich mache Niemandem in Dornach Vorwürfe; niemandem kann zugemutet werden, dass er eine Sprache verstehe, die er nicht gelernt hat. (…) Für mich steht es allerdings fest, dass das Werk Rudolf Steiners rettungslos dem Charakter einer bloßen Kuriosität verfallen müsste, gelänge nicht der Anschluss an die Bildungshöhe der Zeit.
1929 Teilnahme an der Kunstausstellung Altona. Stolz meldet Ballmer einem Freund, dass seine Bilder neben denen Kandinskys hängen (dessen Malerei er nicht mochte). Zunehmende Kontakte zu den Künstlern der Hamburgischen Sezession.
1930 Verstärkte Hinwendung zur Malerei. Teilnahme als Gast an der Frühjahrsausstellung von „DER BLOCK – Neue Hamburger Sezession“ in der Kunsthalle. Teilnahme am Wettbewerb für ein Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges. Den Auftrag erhält Ernst Barlach. Vielfältige Förderung erhält Ballmer durch den Kunsthistoriker Max Sauerlandt.
1931 In Bezug auf Anthroposophica bin ich resignierender Zuschauer geworden. Teilnahme als Gast an der 10. Ausstellung der Hamburgischen Sezession in der Kunsthalle sowie an weitere Ausstellungen in Hamburg und Göteborg. Entwurf von Glasfenstern für eine Hamburger Synagoge.
1932 Teilnahme als Gast an der 11. Ausstellung der Hamburgischen Sezession in der Kunsthalle sowie an weiteren Ausstellungen in Hamburg, Köln, Berlin, Lübeck, Bielefeld. Einzelausstellung im Kunstverein Hamburg. Ballmer wird Mitglied der Hamburgischen Sezession.
1933 Teilnahme an der 12. Ausstellung der Hamburgischen Sezession. Da die Sezession sich weigert, jüdische Mitglieder auszuschließen, wird sie verboten und feiert ein riesiges Schlussfest. – Ballmer veröffentlicht anlässlich der berüchtigten Freiburger Antrittsrede Heideggers im Verlag Rudolf Geering (Basel) eine kleine Schrift Aber Herr Heidegger!
1935 Ich habe einiges gemalt und mehreres geschrieben. Leider ist das Schreiben eine einfachere Sache als einen Verleger zu finden. Wenn nicht, dann eben in die Kiste zum andern. So bleibt z.B. das umfangreiche Manuskript Deutschtum und Christentum unveröffentlicht.
Ausstellung im Kunstkabinett von Hildebrand Gurlitt unter großen Schwierigkeiten, da Ballmer kein Mitglied der Reichskunstkammer geworden ist. – Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft.
1936 Berufsverbot als Maler durch die Reichskunstkammer. – Samuel Beckett besucht auf seiner Kunstreise durch Deutschland auch Ballmer in seinem Atelier. Aus Becketts Tagebuch seine Eindrücke vom Kopf in Rot: Wundervoller roter Frauenkopf, Schädel, Erde, Meer und Himmel (…) Würde das Bild nicht abstrakt nennen. Ein metaphysisches Konkret. Noch Naturkonvention, aber seine Quelle, Reservoir der „Erscheinung“. Ganz a-posteriori-Malerei. Gegenstand nicht dazu missbraucht, eine Idee zu illustrieren wie bei, sagen wir, Léger oder Baumeister, sondern primär. Die Mitteilung erschöpft durch das optische Erleben, das ihr Beweggrund und ihr Inhalt ist. Alles Weitergehende ist nebensächlich. (…) Außerordentliche Stille.
Ende November – ebenfalls im Beisein Becketts – wird das Richtfest von Ballmers neuem Wohnhaus mit Atelier in Glinde bei Hamburg gefeiert (Einzug am 22. März 1937).
Beckett bekommt 1937 in München Schriften von Ballmer geliehen, (u.a. Deutschtum und Christentum), empfindet sie aber als „too Steinerisch“.
1937 „Säuberung des Kunsttempels“: Aus der bedeutenden Sammlung der Moderne, die Max Sauerlandt für das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg aufgebaut hat, verschwinden auch 9 graphische Arbeiten Ballmers.
1938 Rück-Emigration: Mitte September 38, es war gerade „Münchener Konferenz“ und mit der Möglichkeit des Krieges zu rechnen, entschlossen wir uns von einer Stunde auf die andere, in die Schweiz zu gehen. Offenbar gelingt es Ballmer jedoch, sein gesamtes in Hamburg entstandenes Werk – mit der Hilfe von Hildebrand Gurlitt – in die Schweiz zu überführen.
1939 Einige Monate in Basel. In der Schweizer Kunstszene ist er ein völlig Unbekannter.
Es besteht bei mit der merkwürdige Zustand, den ich immer wieder beobachte, dass ich beim schreibenden Produzieren mit ein Gegenüber vorstellen muss; beim Malen kenne ich diese Notwendigkeit nicht, da vergnüge ich mich mit mir selber. Zu meiner Grundverfassung beim Schreiben gehört ferner, dass ich einen philosophischen Gedanken nur dann für richtig halten kann, wenn er unmittelbar politisch ist; ich empfinde stärkstens eine Koinzidenz des Innen und Außen. Am liebsten würde ich Philosophie - im anspruchsvollsten Sinn - in der Tageszeitung machen. Dass dies nicht geschieht, dafür sorgt in Helvetien die Pressefreiheit, die ja als freie Selbstkastrierung den gleichen Effekt ergeben kann wie Totalitarismen in anderer Form. Ich habe, besonders in den Jahren 1939-40, manches in schweizerischen Zeitungen geschrieben; meine eigentliche und einzige Genugtuung dabei war, dass ich in linken Zeitungen posaunte, um dann in „auf fein“ sich gebenden konservativen gediegenen Monatsschriften meine linke eigene Musik „als eigentlich ganz gescheit und beachtlich“, oder als „das bisher Beste, was von sozialistischer Seite aus in dieser Frage vorgebracht wurde“, zu zitieren, ohne dass der konservative Herr Schriftleiter … auch nur eine Ahnung hatte.
1940 Umzug ins Tessin. Dort bis zum Lebensende intensive schriftstellerische und künstlerische Arbeit in relativer Einsamkeit. Für beide Fakultäten findet Ballmer nicht die angemessene Öffentlichkeit, ja er sucht nicht einmal danach. Das Schreiben entwickelt sich oft aus seinem allerdings regen brieflichen Austausch heraus, den er mit philosophischen Schriftstellern, Theologen und anderen Intellektuellen führt. Auch einige Zeitschriftenaufsätze zu politischen, philosophischen und anthroposophischen Themen erscheinen, vor allem in den 40er Jahren. Ballmer hat nach wie vor auch mit einigen Anthroposophen Kontakt, insgesamt stellt sich jedoch immer klarer heraus, dass die Bewegung seine Interpretation des Ereignisses Anthroposophie nicht akzeptieren kann.
1941 Umzug nach Lamone, wo Ballmer bis zum Lebensende bleiben wird. Aus einem Brief 1947: Wir selbst waren dann bis Frühjahr 1940 in Basel, von da ab im Tessin, zuerst anderthalb Jahre in Melide, einige Kilometer südlich von Lugano, seit Herbst 41 in Lamone, das ist 5 km nördlich Lugano an der Gotthardbahnstrecke. Wir haben uns hier ein Häuschen mit Atelier gebaut (…) Jetzt geht es wieder einigermaßen, nachdem wir im Frühsommer mit Humor und bei herrlichstem Tessiner Wetter beim Erdbeerpflücken in der benachbarten Großgärtnerei zusammen pro Stunde 1,60 Fr. verdient hatten (was ein Schweizer Maurer ist, der verdient für einen Mann in der Stunde 2,50 Fr.). Ich arbeite wie ein Pferd; um 5 Uhr haben wir in der Regel schon Kaffee getrunken, dann wird sachte der Arbeitsfaden vom vorherigen Tag aufgenommen – bis dann 6 Uhr 45 die ersten Frühnachrichten aus Hamburg zu haben sind, um 7 Uhr 30 hole ich per Rad die Post und die Milch und dann hat man den ganzen Tag vor sich, Besuche sind sehr selten. Ich habe viel zu schreiben, aber, um es sogleich zu sagen: auch im Atelier ist doch einiges geschehen, wenn ich auch in den letzten Jahren gewiss Dreiviertel der Zeit für die andere Fakultät vertan habe..
1944 Kleine Geschichtsphilosophie
1945 Umfangreicher Briefwechsel mit dem Physiker Otto Brühlmann zum Thema „Licht“.
1946 Meine Maler-Karriere speziell in der Schweiz lässt zu wünschen übrig. Vor einem Jahr hatte ich in Basel ausgestellt, in einer „Galerei d'art moderne“, wo man sehr fortschrittlich orientiert ist, natürlich nach Paris ausgerichtet. Ein respektabler Achtungserfolg, aber den Landessitten entsprechend kein Interesse für ein Beunruhigtwerden der Vorstellungen, die man schon angelernt hat. Die Schweiz ist in kultureller Hinsicht etwas klein, mehr auf Sekurität als auf Beunruhigtwerden eingestellt. Dies bleibt die einzige Ausstellung in der Schweiz zu Lebzeiten.
1947 Ballmer wird zur Teilnahme an der Ausstellung der 1945 wiedergegründeten Hamburgischen Sezession eingeladen. Wegen bürokratischer Hemmnisse können aber drei dafür ausgewählte großformatige Bilder die Grenze nicht passieren.
1950 Aus einer Leserzuschrift entwickelt sich ein Briefwechsel mit dem Baseler Astrophysiker Joachim Fleckenstein – eins der glücklichsten Beispiele für Ballmers Methode, aus der widersprechenden oder weiterführenden Antwort an ein briefliches Gegenüber umfangreiche Texte entstehen zu lassen. Wie oft, gebraucht Ballmer zur Darstellung seiner Weltauffassung, obwohl diese ohne das Ereignis Steiner nicht denkbar ist, keine anthroposophische Terminologie. Und wie oft hat Ballmer eine Veröffentlichung vor Augen (Titel Deutsche Physik – von einem Schweizer), für die jedoch kein Forum da ist.
1951 Anlässlich des Todes des Basler Philosophen Herman Schmalenbach formuliert Ballmer in Form eines Totengespräches die Grundlinien seiner fertigen Begriffswelt, in der er sich häuslich einzurichten beginnt: „Ehrung“.
„Anknüpfend an eine Bemerkung über James Joyce“, ein eigentümlicher Text, der belletristisch erzählte Elemente aus Ballmers Tessiner Leben mit der Suche nach Formeln verknüpft, auf die der Vor- und Nachwitz der Menschenleute angewiesen ist.
1952 Briefwechsel mit dem Theologen Hans Schär zum Thema der im selben Jahr von C.G.Jung formulierten „Synchronizität“.
1953 Aus einem Brief im Dezember: Nun soll ich Ihnen wohl zuerst berichten, ob ich, und wieviel oder wiewenig ich gemalt habe. Leider wenig, aber doch ein wenig. Ich habe meine Zeit mit Schreiben vertan. Mag sein, dass sogar etwas Dauerhaftes dabei herauskam oder noch herauskommen wird, und ich amüsiere mich beim Gedanken, dass man es relativ zu dem gemeinten Dauerhaften dann interessant finden könnte, dass der B. auch ein paar Dinge gemalt hat.
Ausgehend von Ballmers Reaktion auf einen Aufsatz eines Anthroposophen zu neurophysiologischen Fragen entwickelt sich ein Briefwechsel über die motorischen Nerven, den Ballmer unter dem bewusst gewählten Verlagsnamen „Fornasella“ (dt. „Backöfchen“, der Ortsbezeichnung des Anwesens seines Maler-Freundes Hans Gessner in Besazio/Tessin) im Sinne eines „Experimentes“ veröffentlicht. Spätestens aufgrund der hier unverblümt ausgeführten sachlichen Kritik an führenden Anthroposophen wird Ballmer für die anthroposophische Bewegung vollends zum Häretiker.
1954 Im Verlag Fornasella werden die Elf Briefe über Wiederverkörperung veröffentlicht. In gegenüber dem vorgenannten Briefwechsel nochmals verschärftem Ton werden die Schwindeleien der akademischen Gruppenseele mit ihrer Methode des Herumreichens von anthroposophisch klingenden Sätzen gegeißelt.
Von den anthroposophischen Gegnern kurzerhand als Polemiken abgekanzelt, erweisen sich die beiden bei Fornasella veröffentlichten Texte inhaltlich als souverän ausgeführte Darstellungen von Ballmers entwickelter Weltanschauung, die den Anlass ihrer Entstehung weit hinter sich lassen.
1956 Es gibt bei mir Druckfähiges, aber keinen (deutschen) Verleger. So bleibt auch der Abschied vom „Leib-Seele-Problem“ in der Schublade.
1957 Ballmer erkrankt. Die Hamburger Kunsthalle (Kunstverein) zeigt die letzte Ausstellung zu Ballmers Lebzeiten (zusammen mit Richard Haizmann).
1958 Karl Ballmer stirbt am 7. September in Lugano.
1960 Erste umfassende Retrospektive (zusammen mit Erwin Rehmann) im Aargauer Kunsthaus Aarau. Es war erst die vierte Ausstellung dieses neuen Museums in Ballmers Geburtsstadt, und er hatte bis zu seinem Tode an ihrer Vorbereitung mitgearbeitet.
1970 Katharina Ballmer stirbt. Der schriftliche Nachlass gelangt in Form einer Schenkung an das Staatsarchiv des Kantons Aargau; der künstlerische Nachlass kommt als Depositum ins Aargauer Kunsthaus und bildet den Grundstock der 1990 gegründeten Karl-Ballmer-Stiftung (Sitz im Kunsthaus). Ballmers Bibliothek findet ihren Ort in der Kantonsbibliothek.